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Afghanistan
Geschichte
| Geschichte |
Von der Antike bis zur Neuzeit In der Antike gehörte das Gebiet des heutigen Afghanistan, das dem Osten des antiken "Aryanam Xša?ra" entspricht, zum Perserreich. Später entstand in Baktrien ein Griechisch-Baktrisches Königreich, das von den Nachkommen der Truppen Alexanders des Großen regiert wurde. Nach dem Fall der Sassaniden und der Invasion der muslimischen Araber dominierten bis zum Mittelalter persische Lokaldynastien, die dem muslimischen Kalifat unterstanden. Der Islam setzte sich dennoch in dieser Region verhältnismäßig langsam durch. Erst gegen Ende des 10. Jahrhundert, das heißt nach der großen Völkerwanderung der Türken ins Iranische Hochland, sollen nach einer islamischen Chronik die meisten Einwohner im Raum Ghur (zwischen Herat und Kabul) Muslime gewesen sein. Staatsgründung und Namensgebung Der Paschtune Ahmed Shah Durrani begründete im Jahr 1747 ein selbstständiges Königreich im Osten Persiens, im Gebiet Khorasan Wa Mawar al-Nahr. Damit gilt er allgemein als der Begründer Afghanistans. Das von A.S. Durrani gegründete Reich zerbrach schon bald wieder an inneren Streitigkeiten und Einmischungen von außen. Wenig später geriet Afghanistan in den Einflussbereich der expandierenden Briten. Der Name Afghanistan (ursprünglich als Afghanland von den Engländern eingeführt; wurde später als Afghanistan von den Afghanen übernommen) bedeutet wörtlich Land der Afghanen und entstand am Anfang des 19. Jahrhunderts. 1801 wurde er im Anglo-Persischen Friedensvertrag zum ersten Mal erwähnt. Die britische Kolonialmacht Um das Land zu erobern und als Teil des Britischen Imperiums in Indien einzugliedern, kämpfte 1839-1842 eine große Anglo-Indische Armee im ersten Anglo-Afghanischen-Krieg gegen einen relativ schlecht ausgerüsteten afghanischen Widerstand. Die Briten konnten zwar das Land besetzen, jedoch nicht ihre Ziele durchsetzen. 1842 wurde ein Waffenstillstand vereinbart, bei dem die Briten sich bereit erklärten, ihre Truppen zurückzuziehen. Jedoch wurden kurz darauf am Khyber-Pass die sich zurückziehenden Briten angegriffen und alle 15.000 britischen Soldaten und deren Familienmitglieder getötet. Dieser militärische Verlust in Afghanistan frustrierte die britische Kolonialregierung und erschwerte ihre Bestrebungen, wie z.B. die Kontrolle der Handelswege in Zentralasien und den von dort versuchten Angriff auf die chinesische Qing Dynastie. Die Katastrophe in Afghanistan erregte auch viele Inder, denn die britische Armee bestand zu einem großen Teil aus Indern. Angetrieben durch den Frust der vorangegangenen Demütigung erklärte 1878 die britische Regierung erneut den Krieg gegen Afghanistan. Trotz kleiner militärischer Erfolge der Afghanen, wie bei der Schlacht von Maiwand 1880, wurde der Widerstand niedergeschlagen, die Hauptstadt Kabul aus Rache niedergebrannt, und eine Marionette als König installiert. Gleichzeitig übernahmen die Briten für die folgenden 40 Jahre die afghanische Außenpolitik. Aufgrund vieler Aufstände in Afghanistan wurde 1893 das Land durch die Durand-Linie von den Briten geteilt und das süd-östliche Gebiet (die heutigen pakistanischen Provinzen NWFP, FATA und ein kleiner Teil Belutschistans) der indischen Kronkolonie einverleibt.
Gurkhas an der Nordwestfront des 3. Afghanischen Krieges (1923) Der dritte Anglo-Afghanische-Krieg im Mai 1919 - ein letzter Versuch Afghanistans, sich vom britischen Joch zu befreien - führte schließlich durch geschicktes Verhandeln der afghanischen Diplomaten (die Afghanen drohten den Engländern, sich weiter Russland anzunähern) zum Vertrag von Rawalpindi und am 8. August 1919 zur Anerkennung Afghanistans als souveränen und unabhängigen Staat durch Großbritannien. Somit hatte Afghanistan nach mehr als 60 Jahren britischer Vorherrschaft seine volle Unabhängigkeit erlangt, während ein großer Teil der Gebiete an die Briten verloren gingen und später dem Staat Pakistan zugesprochen wurden. Afghanistan nach der Unabhängigkeit Seit 1933 bestand mit Mohammed Sahir Schah (Baraksai) an der Spitze ein konstitutionelles Königreich; es musste 1973 einer Republik weichen, in der 1978 die Kommunisten die Macht übernahmen. Der im Dezember 1979 erfolgte sowjetische Einmarsch stürzte Afghanistan in einen zehnjährigen "Stellvertreterkrieg" (siehe Afghanischer Bürgerkrieg und sowjetische Invasion), den die islamischen Kräfte Afghanistans (Mujaheddin, soviel wie "Gotteskrieger") gewannen, und zwar mit Unterstützung aus Pakistan, Saudi-Arabien, den USA und der Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Abzug der Sowjets 1989 und dem Rücktritt des letzten kommunistischen Präsidenten Najibullah 1992 begannen die Mujaheddin-Gruppen, sich gegenseitig zu bekämpfen, und es entbrannte ein brutaler Bürgerkrieg, der bis etwa 1995 dauerte. In jenem Jahr begannen von Pakistan aus die radikal-islamistischen Taliban (soviel wie Koran-Schüler; eine Splittergruppe der ehem. Mujaheddin) das Land zu erobern - sie kontrollierten bis 2001 ca. 90 % des Landes und etablierten ein streng islamisches Regime. So wurden Musik, Sport, Bilder und Fernsehen verboten, fast sämtliche Schulen und Universitäten geschlossen, Männer gezwungen, Bärte zu tragen und Frauen durften nur mit männlicher Begleitung und in eine Ganzkörperverschleierung (Burka) gehüllt das Haus verlassen. Zudem waren Frauen und Mädchen Schulbesuch und Berufstätigkeit untersagt. Siehe auch: Liste der Staatsoberhäupter Afghanistans Afghanistan nach dem Kalten Krieg Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001, die die US-Regierung dem Ex-Saudi-Araber Osama bin Laden zuschrieb, und nachdem der UN-Sicherheitsrat den USA das Recht auf Selbstverteidigung zusprach, führte eine Allianz unter Führung der USA zum Sturz des herrschenden Talibansystems. Hierbei stellte die Nordallianz den Großteil der Bodentruppen. Osama bin Laden wurde dabei aber nicht gefunden. Der paschtunische Stammesführer Hamid Karsai, der im Dezember 2001 auf der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg als Vorsitzender ermächtigt wurde, wurde 2002 von der landesweiten Loja Dschirga ("Große Ratsversammlung") zum Präsidenten gewählt. Die Zerstrittenheit innerhalb der Nordallianz nahm bis 2002 zu, landesweit kam es zu ethnischen und sprachlichen Verfolgungen. Trotz der Zerstrittenheit besetzen Mitglieder der Nordallianz vermehrt Schlüsselfunktionen. Die Rivalitäten zwischen den Stämmen und Völkern nahmen weiter zu und gefährdeten den Frieden weiter. Viele der im Krieg ins Ausland geflüchteten Menschen kehrten inzwischen zurück. Am 9. Oktober 2004 fanden die ersten (freien) Präsidentenwahlen statt, aus denen Hamid Karsai als Sieger hervorging. Für die Parlamentswahl am 18. September 2005 waren die "Provincial Reconstruction Teams - PRT KUNDUZ", ein Teil der ISAF, für die Sicherheit in der Region zu dieser Zeit verantwortlich. Die Sicherheitslage des Landes ist immer noch kritisch. Im Süden und Osten von Afghanistan existieren Gebiete, in die sich keine Besatzungstruppen hineintrauen. Seit März 2005 wurden über 1000 Menschen bei Anschlägen getötet. Am 14. September 2005 ermordeten die Taliban in der südafghanischen Provinz Uruzgan sieben Afghanen, weil diese Wählerausweise bei sich trugen. |
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