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Estland
Geschichte

 
Vor ca. 5.000 Jahren Beginn der Besiedlung vom asiatischem Raum her (finno-ugrische Abstammung/Sprache)
1219 Landung von König Waldemar II. von Dänemark und Sieg über die Esten (der "Danebrog" fällt vom Himmel) beim heutigen Tallinn
(= "Dänenstadt"). Beginn der Christianisierung Nordestlands
1230 Gründung der Stadt Reval (Tallinn) durch den Schwertbrüderorden mit Hilfe deutscher Kaufleute von der Insel Gotland
1248 Reval erhält Lübisches Recht
1280er Reval wird Mitglied der Hanse
1346 Dänemark verkauft Estland an den Deutschen Orden – es entsteht der Livländische Staatenbund (Altlivland) aus fünf geistlichen Territorien (Bistümer Riga, Dorpat, Oesel-Wiek, Kurland und Deutscher Orden), die zum Römischen Reich gehören .
Die mit Land belehnten und als Ritterschaften organisierten deutschen Vasallen der fünf Landesherren gewinnen zunehmend politischen Einfluss
 
1370 Friede von Stralsund: Blütezeit der "Deutschen Hanse", die fünf bedeutendsten Städte - Reval (Tallinn), Narva, Dorpat (Tartu), Fellin (Viljandi), Pernau (Pärnu)- sind Hanse-Mitglieder und bleiben - über den Wechsel der Oberherrschaft hinaus - deutsch geprägt
1523 Die Reformation erreicht Estland (erste lutherische Prediger in Reval)
1558 Beginn des "Livländischen Krieges" durch Zar Ivan IV. "den Schrecklichen", der in Est- und Livland einfällt und den Deutschen Orden vernichtend schlägt.
1561 Ende der Livländischen Konföderation: Reval und die Harrisch-Wierische Ritterschaft unterwerfen sich zum Schutz vor den Russen dem König von Schweden, der ihre Privilegien (autonome deutsche Landesverwaltung) bestätigt, die Insel Oesel (Saaremaa) wurde bis 1645 dänisch
1582 - 84 Schweden vertreiben Russen und bringen (bis 1645) ganzes heutiges estnisches Staatsgebiet unter ihre Herrschaft.
1629 Friede von Altmark: Das von Gustav II. Adolf von Schweden eroberte Livland und Riga werden endgültig schwedisch
1632 Gründung der Universität Dorpat (Tartu) durch König Gustav II. Adolf
1710 Während des Nordischen Krieges (1700-21) erobert Zar Peter Estland (und Livland)
Reval (und Riga) sowie die Estländische (und Livländische) Ritterschaft schließen mit ihm sogen. Kapitulationen, in denen die ständischen Privilegien bestätigt werden (autonome deutsche Landesverwaltung und evang.-luth. Religion). Dies wird völkerrechtlich im Frieden von Nystad 1721 verankert.
1802 Wiederbegründung der im Nordischen Krieg untergegangenen Universität Dorpat durch Kaiser Alexander I. von Russland und die Estländische sowie die Livländische Ritterschaft
1802-1865 Agrarreformen, die in mehreren Etappen die Herausbildung eines freien Bauernstandes mit eigenem Landbesitz zum Ergebnis haben
1816/1819 Aufhebung der Leibeigenschaft der estnischen Bauern
seit 1869 All-estnische Sängerfeste, Zeit des "Nationalen Erwachens"
1885 ff Höhepunkt der Russifizierung (Russisch als Unterrichts- und Behördensprache, Umwandlung der Universität Dorpat in eine russische Universität Jurjew, Einführung der russischen Gerichtsverfassung)
1905 Erste russische Revolution greift auf Estland über; es kommt zu Ausschreitungen auf dem Lande mit Strafexpeditionen des russischen Militärs
1914 - 18 1. Weltkrieg und Oktoberrevolution 1917 führen zur Abtrennung der Ostseeprovinzen von Russland
24.02.1918 Ausrufung der Republik Estland (Nationalfeiertag), die von deutschen Truppen besetzt wird; nach Ende des Deutschen Reiches im November 1918 erfolgreicher estnischer Befreiungskampf gegen deutsche (Landeswehr) und gegen nachgerückte bolschewistische Truppen
1918 Estland wird von deutschen Truppen besetzt, die nach dem Ausbruch der Revolution in Deutschland im November 1918 abziehen
1919-1920 Erfolgreicher Freiheitskrieg der estnischen Armee (unter Teilnahme des aus Deutschbalten bestehenden "Baltenregiments") gegen das bolschewistische Russland
23.06.1919 Schlacht von Wenden: Estnische Armee besiegt die aus Deutschbalten in Lettland gebildete "Landeswehr" ("Siegestag")
02.02.1920 Friedensvertrag von Tartu (russischer Verzicht auf Souveränitätsrechte an Estland, Festlegung der Grenzen)
 
1920-1939 Aufbau des neuen estnischen Staates als Demokratie mit stark ausgeprägten Kompetenzen des Parlamentes. Deutsche werden zur nationalen Minderheit im estnischen Nationalstaat; 1919 ff. Agrarreform mit Enteignung dt. Großgrundbesitzes, seit 1925 international vorbildliche Kulturautonomie.
24.04.1934 Nach Staatsstreich präsidial-autoritäres Regime von Präsident Konstantin Päts
23.08.1939 Hitler-Stalin-Pakt mit Abgrenzung gegenseitiger Interessensphären in Geheimem Zusatzprotokoll: Umsiedlung der Deutschbalten Okt./Nov. 1939, Besetzung Estlands durch UdSSR ab 17.06.1940, förmliche Eingliederung (Annexion) in Sowjetunion als estnische SSR am 06.08.1940, erste große Verfolgungs- und Deportationswelle gegen estnische Intelligenz im Juni 1941.
Aug. 1941 – Sept. 1944 Deutsche Besetzung: Unterdrückung estnischer Selbständigkeitsbestrebungen, Ermordung der estnischen Juden, Zwangsmaßnahmen, wirtschaftliche Ausbeutung, Einberufung von Esten.
seit Sept. 1944 Erneute Besetzung durch sowjetische Truppen, weitere Deportationswellen und Säuberungen: Estland verliert im Ergebnis des 2. Weltkrieges und seiner Folgen ca. 25% seiner Bevölkerung, besonders der Elite
23.08.1987 Erste politische Protestdemonstration in Tallinn, schrittweise Formierung der "Singenden Revolution" unter Nutzung von "Glasnost und Perestroika"
16.11.1988 Oberster Sowjet der Estnischen SSR verabschiedet Souveränitätserklärung, die den Vorrang der estnischen Gesetze und die alleinige estnische Verfügungsgewalt über seine Ressourcen postuliert
Feb./Mär. 1990 Wahlen zum "Estnischen Kongress" (Parallelparlament aller Personen mit estnischer Staatsangehörigkeit gemäß den Gesetzen der Vorkriegszeit) und dem von nun an "Obersten Rat der Republik Estland" genannten bisherigen "Obersten Sowjet der Estnischen SSR" (Ministerpräsident Edgar Savisaar, Außenminister Lennart Meri)
12.01.1991 Präsident Arnold Rüütel und Präsident Boris Jelzin unterzeichnen in Moskau estn.-russ. Grundlagenvertrag
03.03.1991 Referendum, in dem 77,8% der Bevölkerung Wiederherstellung der estnischen Unabhängigkeit unterstützen
20.08.1991 Erklärung der staatlichen Unabhängigkeit durch Obersten Rat (Vorsitzender: der heutige Staatspräsident Arnold Rüütel) als Reaktion auf Moskauer Putsch vom 19. August, gefolgt von internationaler Anerkennung (durch Russland am 24. August und durch die Sowjetunion am 6. September 1991)
28.08.1991 Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland, Akkreditierung des ersten deutschen Botschafters am 02.09.1991
10.09.1991 Aufnahme in den KSZE-Prozess (15.10.1991 Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte durch Präsident Rüütel)
11./12.09.1991 Außenminister Genscher in Tallinn
17.09.1991 Aufnahme Estlands in die Vereinten Nationen
20.06.1992 Einführung einer eigenen estnischen Währung ("Krone")
28.06.1992 Referendum über neue estnische Verfassung, die am 03.07.1992 in Kraft tritt
20.09.1992 Parlaments- und Präsidentschaftswahlen
05.10.1992 Lennart Meri vom Parlament zum Staatspräsidenten gewählt
29.04.1993 Außenminister Kinkel und Velliste unterzeichnen in Bonn "Gemeinsame Erklärung über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Estland"
14.05.1993 Aufnahme Estlands in den Europarat
26.07.1994 Präsidenten Meri und Jelzin unterzeichnen in Moskau Vertrag über den Abzug der russischen Truppen aus Estland und Abkommen über soziale Garantien für Pensionäre der russischen Streitkräfte in Estland (31.08.1994 verlassen die letzten russ. Truppen Estland)
12.6.1995 Europa-Abkommen zwischen der EG und den baltischen Staaten (01.08.1995 von Estland ratifiziert, in Kraft seit 01.02.1998)
24.11.1995 Estland stellt EU-Beitrittsantrag
31.03.1998 Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen
08.10.2001 Arnold Rüütel wird Staatspräsident
21.-22.11.2002 Der NATO-Gipfel in Prag beschließt, Estland zu Beitrittsverhandlungen einzuladen
12.-13.12.2002 Der Europäische Rat von Kopenhagen beschließt, dass Estland ab 01.05.2004 Mitglied der EU sein wird.
26.03.2003 Unterzeichnung des NATO-Beitrittsprotokolls in Brüssel durch Außenministerin Kristiina Ojuland 
16.04.2003 Unterzeichnung des EU-Beitrittsvertrages in Athen
14.09.2003 Volksabstimmung über den EU-Beitritt (67% Ja, 64% Beteiligung)



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